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	<title>Dauernörgler &#187; Bundeswehr</title>
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		<title>Guttenberg: Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Feb 2011 11:13:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dauernörgler</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Am vergangenen Freitag klang der Noch-Verteidigungsminister zu Guttenberg regelrecht kampfeslustig und fest entschlossen. Er wollte seinen Doktortitel ablegen, aber nur bis die Universität Bayreuth die Dissertation in Augenschein genommen habe. Das klang sehr siegessicher, nahm er doch dem Gremium vorweg, dass der Titel auf keinen Fall aberkannt würde. Offenbar hatte er wohl die Flut der Empörung insgesamt unterschätzt, die ihm seither mehr denn je entgegenbrandet. Und so ruderte der &#8220;neue JFK&#8221;, wie er oftmals in guten Zeiten genannt wurde, am vergangenen Montagabend in Hessen eifrig zurück und gab mal eben so seinen Doktortitel ab.<sup class='footnote'><a href='#fn-633-1' id='fnref-633-1'>1</a></sup> Man muss sich das schon auf der Zunge zergehen lassen: Er gibt etwas auf, was ihm (laut eigenen Worten) zu Unrecht <em>verliehen</em> wurde. Adel hin, Beliebtheit her &#8211; so etwas grenzt an Größenwahn! Der Mann glaubt wirklich, er könne sein Diebesgut in die Tonne kloppen, sich den Mund abwischen und damit seien alle Vergehen dieser Welt erledigt.</p>
<p>Dass es anders auf keinen Fall gehen darf, bekunden auch wahre Horden an Guttenberg-Fans, die sich im Internet tummeln. Auf Facebook zählt die Gruppe &#8220;Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg&#8221; bereits weit über 230.000 Mitglieder.<sup class='footnote'><a href='#fn-633-2' id='fnref-633-2'>2</a></sup> Die Kommentatoren überschlagen sich und bitteln und betteln, man möge den Hoffnungsträger der deutschen Politik doch bitte in Ruhe lassen. Da liest man Bewegendes: Es ist von &#8220;unserem KT&#8221; die Rede und davon, dass diese ganze unsägliche Geschichte mit der Doktorarbeit von der Opposition in die Welt gesetzt wurde, weil ihnen &#8220;KT&#8221; und dessen Beliebtheit zu gefährlich werde. Sogar die Bibel wird bemüht: &#8220;Wer werfe den ersten Stein?&#8221; &#8230; gegen einen Mann, der doch so geradlinig und erfolgreich ist. Und allzu oft münden die schwurbeligen Argumentationsketten in der Erkenntnis: &#8220;Als hätten wir auf der Welt keine anderen Probleme!&#8221; Immerhin seien in Afghanistan erst jüngst wieder Soldaten ums Leben gekommen. Gegen diese Eupherie kommt man mit wirklichen Argumenten kaum an. Wer will bei einem so schneidigen Minister schon hören, dass er öffentlich Wasser predigt und heimlich Wein trinkt? Immerhin trug er Sätze wie &#8220;Verantwortung bedeutet vor allem Verpflichtung, Vertrauen und Gewissen&#8221; oder &#8220;Politik braucht klare Werte&#8221; wie ein Bauchladen vor sich her und nun ist offensichtlich, dass er es mit alledem selbst nicht so genau nimmt.<sup class='footnote'><a href='#fn-633-3' id='fnref-633-3'>3</a></sup> Wer möchte da hören, dass in der Bibel eben auch steht: &#8220;Du sollst kein falsches Zeignis geben wider deinen Nächsten.&#8221;<sup class='footnote'><a href='#fn-633-4' id='fnref-633-4'>4</a></sup>? Natürlich gibt es drängendere Probleme in der Welt. Natürlich begehen andere noch schlimmere Verbrechen. Bedeutet dies im Unkehrschluss nun aber, dass wir in Zukunft alle Diebe und Betrüger laufen lassen sollten, weil es eben auch Mörder gibt, deren Verbrechen sehr viel schlimmer sind? Im Übrigen scheint Karl-Theodor zu Guttenberg der Doktortitel sehr viel wichtiger als all seinen Mitstreitern zu sein, denn den jüngsten Vorwürfen zufolge führte er ihn schon zwei Jahre bevor er überhaupt dazu berechtigt war.<sup class='footnote'><a href='#fn-633-5' id='fnref-633-5'>5</a></sup> Da fragt man sich ernsthaft, wie geil ein Mensch auf einen Titel sein kann. Abgesehen davon ist es mehr als makaber, tote Soldaten als Argument &#8220;pro Guttenberg&#8221; ins Gefecht zu führen. Das mag zwar auf die Tränendrüse drücken, ändert aber nichts daran, dass es der Oberbefehlshaber der Bundeswehr mit der Ehrlichkeit nicht so genau nimmt.<br />
<span id="more-633"></span></p>
<p>Zum Glück gibt es noch klare Geister, die sich auch trauen an der Debatte teilzunehmen. Die Universität Bayreuth will trotz zu Guttenbergs Verzichts auf den Doktortitel die Korrektheit der Dissertation prüfen. Bundestagspräsident Norbert Lammert sieht gar Anzeichen für gleich zwei Verstöße bei besagter Doktorarbeit.<sup class='footnote'><a href='#fn-633-6' id='fnref-633-6'>6</a></sup> Der renommierte Juraprofessor der LMU München, Peter Landau, fordert indes zu Guttenbergs Rücktritt.<sup class='footnote'><a href='#fn-633-7' id='fnref-633-7'>7</a></sup> Diese Aussage ist insofern ein Meilenstein in der weiteren Entwicklung, weil nun neben Politik und Medien erstmals die Fachwelt hierzu Stellung nimmt. Der Beschuldigte selbst scheint langsam auch am Erfolg seiner Taktik zu zweifeln. So sagte zu Guttenberg seine Teilnahme am EU-Verteidigungsministertreffen kommenden Donnerstag kurzerhand ab.<sup class='footnote'><a href='#fn-633-8' id='fnref-633-8'>8</a></sup> Ein Vorzeichen? Wofür? In der für den heutigen Mittwoch einberufenen Aktuellen Stunde im Deutschen Bundestag will er zwar in der Sache Rede und Antwort stehen, aber natürlich nicht selbst sprechen. Er wird lediglich anwesend sein, überlässt aber lieber den parlamentarischen Staatssekretären das Wort. Ob er an der abschließenden Diskussion teilnehmen wird, ist noch nicht klar.<sup class='footnote'><a href='#fn-633-9' id='fnref-633-9'>9</a></sup> Bei derart kalten Füßen sei ein wärmendes Fußbad empfohlen.</p>
<p>Man fragt sich ernsthaft, warum die Wahrheiten zwischen Anhängern und Kritikern so weit auseinander driften. Kaum ein sachlich denkender Mensch wird noch Beweise für zu Guttenbergs Unschuld finden. Wer die angeblichen Plagiate selbst prüft, wird zugeben müssen, dass hier getreu dem Motto &#8220;Tarnen und Täuschen&#8221; kopiert wurde. Gerade jemand, der Ehrlichkeit und eine solide Wertebasis propagiert, untergräbt sich damit selbst und tritt seine politische Bedeutsamkeit mit viel Effet in den Rinnstein. Woher kommt also dieser Zuspruch für einen Politiker, dessen Glaubwürdigkeit mehr und mehr bröckelt? Diese Haltung kommt der Kapelle auf der Titanic gleich, die trotz aller noch so schlechter Aussichten ihren Kopf oben hielt und fröhlich weiter musizierte. &#8220;The show must go on&#8221; könnte man auch sagen. Zu Guttenberg war und ist gewissermaßen auch noch der große Hoffnungsträger der deutschen Politiklandschaft. Unheimlich viele Menschen sahen und sehen in ihm schon den baldigen Bundeskanzler, weil er doch so gutaussehend ist, so passable Umgangsformen besitzt, diesen Flair von Adel um sich trägt und er sich so eloquent und zielstrebig gibt. Dabei hat er weder als Wirtschafts- noch als Verteidigungsminister bisher messbare Erfolge vorzuweisen. In der Opel-Misere kündigte er an zurückzutreten, falls er seine Ziele nicht durchsetzen könne. Er scheiterte, blieb aber im Amt. Er sprach in Bezug auf den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr auch nie offen von &#8220;Krieg&#8221;, wie es gerne angeführt wird. Er sagte, man könne bei der Realität in der Region umgangssprachlich schon von &#8220;Krieg&#8221; sprechen.<sup class='footnote'><a href='#fn-633-10' id='fnref-633-10'>10</a></sup> Das klingt wie: Man kann beim Betrachten des Horizonts umgangssprachlich sagen, die Erde sei eine Scheibe. Das Aussetzen der Wehrpflicht wird gerne als deren &#8220;Abschaffung&#8221;  gepriesen. In Wirklichkeit bleibt der Passus im Grundgesetz unverändert.  Und auch die restliche Bundeswehrreform ist noch ein zaghaftes  Pflänzchen, bei dessen Pflege und Wachstum zu Guttenberg hätte zeigen  können, was er wirklich drauf hat. Es scheint fast so, als sei die Affäre um seine Doktorarbeit die Antwort darauf: Der Sunnyboy aus Bayern scheint nicht sehr viel mehr zu sein, als eine strahlende, schön anzusehende Hülle, der es nicht nur an inhaltlicher Substanz, sondern vor allem auch an Rückgrat fehlt. Auch wenn es sehr vielen weh tut: Mehr haben wir von ihm wohl nicht (mehr) zu erwarten.</p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-633-1'><a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/guttenberg-bleibt-der-imageschaden-auch/3870452.html" target="_blank">Handelsblatt: &#8220;Verzicht auf Doktortitel&#8221;</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-633-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-633-2'><a href="http://www.facebook.com/home.php#!/ProGuttenberg" target="_blank">Facebook: &#8220;Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg&#8221;</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-633-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-633-3'><a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-02/guttenberg-wahrheit" target="_blank">Zeit Online: &#8220;Der Lügenbaron&#8221;</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-633-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-633-4'>Bibelstelle: 2. Mose 20,16 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-633-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-633-5'><a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-02/guttenberg-dissertation-strafanzeige-bundestag" target="_blank">Die Zeit: &#8220;Guttenberg soll Titel zu früh geführt haben&#8221;</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-633-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-633-6'><a href="http://www.n-tv.de/politik/Uni-Bayreuth-prueft-Fehlverhalten-article2672066.html" target="_blank">n-tv.de: &#8220;Universität prüft weiter Fehlverhalten&#8221;</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-633-6'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-633-7'><a href="http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,746809,00.html" target="_blank">Spiegel Online: &#8220;Attacke aus der Fachwelt&#8221;</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-633-7'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-633-8'><a href="http://www.focus.de/politik/schlagzeilen/nid_65157.html" target="_blank">Focus Online: &#8220;Guttenberg sagt Teilnahme an EU-Verteidigungsministertreffen ab&#8221;</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-633-8'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-633-9'><a href="http://www.dernewsticker.de/news.php?title=Plagiatsaff%E4re%3A+Guttenberg+wird+auf+Fragen+im+Bundestag+nicht+selbst+antworten&amp;id=205342&amp;i=kjpdla" target="_blank">derNewsticker.de: &#8220;Plagiatsaffäre: Guttenberg wird auf Fragen im Bundestag nicht selbst antworten&#8221;</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-633-9'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-633-10'><a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,687235,00.html" target="_blank">Spiegel.de: &#8220;Guttenberg spricht von Krieg in Afghanistan&#8221;</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-633-10'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Köhlers Rücktritt: Eine Überraschung?</title>
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		<pubDate>Mon, 31 May 2010 19:17:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dauernörgler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Horst Köhler ist heute überraschend zurückgetreten. Sein Rückzug kam offenbar so unerwartet, dass allerorts vom Einschlag einer politischen „Bombe“ berichtet wurde.1 Die Tatsache, dass Köhler selbst die Bundeskanzlerin erst zwei Stunden vor seinem Gang vor die Presse informierte, lässt in der Tat auf eine spontan gefällte Entscheidung schließen. Trotzdem: Wer von Köhlers Abgang heute komplett [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Horst Köhler ist heute überraschend zurückgetreten. Sein Rückzug kam offenbar so unerwartet, dass allerorts vom Einschlag einer politischen „Bombe“ berichtet wurde.<sup class='footnote'><a href='#fn-217-1' id='fnref-217-1'>1</a></sup> Die Tatsache, dass Köhler selbst die Bundeskanzlerin erst zwei Stunden vor seinem Gang vor die Presse informierte, lässt in der Tat auf eine spontan gefällte Entscheidung schließen. Trotzdem: Wer von Köhlers Abgang heute komplett verblüfft wurde, hat in den letzten Wochen und Monaten die Augen vor dem Funkenflug verschlossen, der heute die genannte „Bombe“ schließlich zum Platzen brachte.</p>
<p>Der scheidende Bundespräsident war nie das bequeme Staatsoberhaupt, das die Berliner Politik sich gewünscht hätte. Vielmehr mahnte er immer wieder, forderte mehr Engagement und verweigerte schließlich sogar dem ein oder anderen, schlampig zusammengeschusterten Gesetz seine verfassungsmäßig notwendige Unterschrift. Dass er sich damit in der politischen Klasse keine Freunde machte, versteht sich von selbst. Prompt sah er sich teils heftiger Kritik ausgesetzt. Diese nahm zuletzt Ausmaße an, wie sie sich bis dato in der Bundesrepublik nicht ziemte. Der Bundespräsident war stets die Leitfigur, zu der alle – Politiker und Nichtpolitiker – aufschauen sollten. Es war ein ungeschriebenes Gesetz, dass das Staatsoberhaupt aus der alltäglichen Parteipolitik herausgehalten werden solle. Köhlers häufig kritischen Töne verstanden manche offenbar als Einbruch in ein fremdes Revier und sahen sich durch diese Tatsache legitimiert, die bisher geltenden Regeln außer Kraft zu setzen. Anstatt sich der rügenden Worte bewusst zu werden und die Defizite bei sich selbst zu suchen, fing man an, den ersten Mann im Staate zu gängeln.<span id="more-217"></span></p>
<p>Allen voran steht Jürgen Trittin von den Grünen, der aufgrund Köhlers Äußerungen zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr polterte: „Das was er dort gesagt hat kann er nicht ernsthaft ernst meinen &#8211; das wäre mit dem Grundgesetz nicht vereinbar, wenn die Bundesrepublik Deutschland in eine Kanonenbootspolitik übergehen würde.“<sup class='footnote'><a href='#fn-217-2' id='fnref-217-2'>2</a></sup> Ungeachtet der Frage, ob diese Vorwürfe Köhlers tatsächliche Äußerungen treffen, geziemt sich der Ton nicht, in dem das Oberhaupt des deutschen Staates abgewatscht wird. Was genau hat Köhler aber gesagt? Hat er wirklich versucht, wirtschaftliche Interessen als Begründung für militärische Einsätze der deutschen Streitkräfte ins Feld zu führen?</p>
<blockquote><p><strong>Zitat Horst Köhler vom 22. Mai 2010<sup class='footnote'><a href='#fn-217-3' id='fnref-217-3'>3</a></sup>:</strong></p>
<p>&#8220;Wir kämpfen dort auch für unsere Sicherheit in Deutschland, wir kämpfen dort im Bündnis mit Alliierten, mit anderen Nationen auf der Basis eines Mandats der Vereinten Nationen, einer Resolution der Vereinten Nationen. Alles das heißt, wir haben Verantwortung. Und ich finde es in Ordnung, wenn in Deutschland darüber immer wieder auch skeptisch mit Fragezeichen diskutiert wird. Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ, bei uns durch Handel Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern. Alles das soll diskutiert werden, und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.“</p></blockquote>
<p>In der Tat: Köhler bringt Militäreinsätze allgemein (von Afghanistan ist an dieser Stelle keine Rede) und wirtschaftliche Interessen in Zusammenhang. Damit ist er nicht allein. Er beruft sich dabei auf einen Antrag der Bundesregierung vom 10.12.2008<sup class='footnote'><a href='#fn-217-4' id='fnref-217-4'>4</a></sup>, durch den die Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der EU-geführten Operation Atalanta zur Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias beschlossen werden solle. Darin heißt es im Wortlaut:</p>
<blockquote><p>„Im Rahmen der unter den Nummern 1 und 2 aufgeführten Grundlagen (…) ergeben sich für die Bundeswehr (…) insbesondere folgende Aufgaben:</p>
<p>(…)</p>
<p>d) Durchführung der erforderlichen Maßnahmen, einschließlich des Einsatzes von Gewalt, zur Abschreckung, Verhütung und Beendigung von seeräuberischen Handlungen oder bewaffneten Raubüberfällen, die im Operationsgebiet begangen werden könnten;</p>
<p>e) Aufgreifen, Festhalten und Überstellen von Personen, die in Verdacht stehen, seeräuberische Handlungen oder bewaffnete Raubüberfälle begangen zu haben sowie Beschlagnahme der Seeräuberschiffe, der Ausrüstung und der erbeuteten Güter.“</p></blockquote>
<p>Genau das tun in diesem Augenblick deutsche Soldaten am Horn von Afrika: Sie verteidigen die Handelswege der internationalen Schifffahrt. Anders ausgedrückt: Die Bundeswehr befindet sich derzeit in einem Einsatz, der wirtschaftliche Interessen verfolgt. Müssten demnach nicht auch – zusammen mit Köhler – einige andere ihren Hut nehmen, die diesem Antrag ausdrücklich zugestimmt haben? Verteidigte Köhler mit seinen Aussagen letztlich nicht einfach nur das, was der Deutsche Bundestag einst beschlossen hat?</p>
<p>Horst Köhler betonte in seiner Rücktrittserklärung, dass er aus mangelndem Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten zurücktrete<sup class='footnote'><a href='#fn-217-5' id='fnref-217-5'>5</a></sup> – also ausdrücklich nicht wegen seiner oben zitierten Äußerungen. Dass er damit seinem Schritt unverrückbare Wahrheiten zugrunde legt, beweisen die ersten Reaktionen einiger Politiker. Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin, zeigte sich zwar sehr überrascht, legt aber gleich nach. Die Äußerungen des Staatsoberhaupts zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr seien sicher unglücklich gewesen. „Ob sie für einen Rücktritt hinreichend waren, hat der Bundespräsident offensichtlich selbst entschieden.“<sup class='footnote'><a href='#fn-217-6' id='fnref-217-6'>6</a></sup> Offenbar hat Wowereit die Erklärung Köhlers weder gehört noch gelesen. Anders kann man zu einem solchen Schluss nicht kommen. Die Grünenvorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir erklärten, ein verantwortliches Staatsoberhaupt zeichne sich in einer Demokratie dadurch aus, dass es mit Kritik umgehen könne. Daher lasse sich Köhlers Schritt „nur mit einer allgemeinen Amtsmüdigkeit erklären“<sup class='footnote'><a href='#fn-217-7' id='fnref-217-7'>7</a></sup>. Eben jene respektlosen Gängeleien bewegten heute den Bundespräsidenten dazu, alles hinzuwerfen. Vielleicht ist der heutige Vorgang an sich Zeichen dafür, dass der Quereinsteiger Köhler nie so recht in dieses politische Geschäft der Wortverdrehungen passte. Das mag ein Grund dafür gewesen sein, warum er beim Volke selbst stets sehr beliebt war und ist. Umso trauriger, dass er sich nun verabschiedete und somit den Souverän des Staates wieder allein lässt, mit den stets mit Dreck werfenden Politikern. Vermutlich wollte er mit seinem drastischen Schritt einen Trend stoppen, der das Amt des Bundespräsidenten immer weiter in den Sumpf des politischen Alltagsgeschäfts zog und damit auf lange Sicht beschädigt hätte. Bleibt zu hoffen, dass sein Nachfolger derartige Kritik gleich im Keim zu ersticken versteht und wieder ein nahezu unantastbarer Präsident wird, zu dem alle – auch die Politikverantwortlichen – respektvoll aufschauen.</p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-217-1'><a href="http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Mindelheim/Lokalnachrichten/Artikel,-Wie-eine-Bombe-eingeschlagen-_arid,2158689_regid,2_puid,2_pageid,4501.html" target="_blank">Augsburger Allgemeine: &#8220;Wie eine Bombe eingeschlagen&#8221;</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-217-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-217-2'><a href="http://www.tagesschau.de/ausland/koehler370.html" target="_blank">tagesschau.de: &#8220;Krieg für Wirtschaftsinteressen?&#8221;</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-217-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-217-3'><a href="http://www.dradio.de/aktuell/1191138/" target="_blank">dradio.de: Interview mit Horst Köhler im Wortlaut</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-217-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-217-4'><a href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/113/1611337.pdf" target="_blank">Antrag der Bundesregierung: Drucksache 16/11337</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-217-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-217-5'><a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/22/0,3672,8076182,00.html" target="_blank">heute.de: Köhlers Erklärung im Wortlaut</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-217-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-217-6'><a href="http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/koehler-rueckzug-wowereit-ueberrascht-article862860.html" target="_blank">BZ Berlin: Köhler-Rückzug: Wowereit  überrascht</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-217-6'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-217-7'><a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,697794,00.html" target="_blank">SPIEGEL online: Reaktionen zum Köhler-Rücktritt</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-217-7'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Das leidige Thema &#8220;Kundus&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Dec 2009 19:48:34 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wenn man Mitglieder der neuen Bundesregierung fragt, welches Thema sie am liebsten aus der Welt hätten, erhält man sicher einhellig die Antwort: „Luftangriff in Afghanistan“. Schon im Wahlkampf war dieser eine unangenehme Geschichte und zieht sich nun ins neue Jahr hinein wie ein zäher, klebriger Kaugummi. Dabei bekannte sich die sonst sehr schweigsame Kanzlerin Angela [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man Mitglieder der neuen Bundesregierung fragt, welches Thema sie am liebsten aus der Welt hätten, erhält man sicher einhellig die Antwort: „Luftangriff in Afghanistan“. Schon im Wahlkampf war dieser eine unangenehme Geschichte und zieht sich nun ins neue Jahr hinein wie ein zäher, klebriger Kaugummi. Dabei bekannte sich die sonst sehr schweigsame Kanzlerin Angela Merkel im vergangenen Herbst recht vollmundig als Unterstützerin ihres damaligen Verteidigungsministers Franz-Josef Jung. Sie stärkte ihm fortwährend den Rücken und verlangte erst dann eine „lückenlose Aufklärung“, als ihr der politische Wind immer kälter ins Gesicht blies. Freilich vergaß sie nicht, im gleichen Atemzug alle Kritiker dieses Militäreinsatzes zu rügen. Das ist schon dreist von der Kanzlerin, die ansonsten Regierungserklärungen scheut, wie der Teufel das Weihwasser. Sogar die ausländischen Politiker und Medien stellte sie gepflegt in den Senkel und verbat sich jedwede Kritik.<sup class='footnote'><a href='#fn-160-1' id='fnref-160-1'>1</a></sup> Meinungsfreiheit hin, Pressefreiheit her, über 135 Tote und 27 Verletzte hat man gefälligst hinweg zu sehen, wenn Frau Dr. Merkel das wünscht. Kurz bevor der inzwischen zum Arbeitsminister mutierte Jung zurücktrat, stärkte Merkel ihm sicherheitshalber noch einmal den Rücken: Das Vertrauen zu ihm bestünde unverändert, ließ sie durch ihren Regierungssprecher ausrichten.<sup class='footnote'><a href='#fn-160-2' id='fnref-160-2'>2</a></sup> Leider half das alles nichts und der getreue Minister räumte seinen Stuhl, wohl wissend, dass er damit auch weiteren Schaden von seiner Chefin abhielt. <span id="more-160"></span></p>
<p>Seither ist es nun eher ruhig geworden. Nicht etwa um das Thema an sich, sondern auf Seiten von Frau Merkel. Seit der strahlende Politstar Karl Theodor zu Guttenberg das Amt des Verteidigungsministers innehat, hört man von der Regierungschefin nichts mehr. Warum sollte sie jemanden stärken, der ihr vielleicht irgendwann einmal den Rang ablaufen könnte? Stattdessen lehnt sie sich im ledernen Sessel zurück und beobachtet genüsslich die Tiraden ihres neuen Verteidigungsministers, der sich zugegeben manchmal regelrecht um Kopf und Kragen redet. Natürlich wäre eine politische Stellungnahme von ihr zu viel verlangt. Immerhin hat sich Merkel in der Vergangenheit nie wirklich zu politischen Themen verlässlich geäußert. Warum also sollte sie mit dieser Tradition brechen? Die massive Forderung nach einer Regierungserklärung hat Merkel daher bis heute „einfach überhört“. Kurioserweise scheint Guttenberg trotz aller Kritik seitens der Opposition, die bis hin zu Rücktrittsforderungen geht, gestärkt aus der Sache hervorzugehen. Zumindest trifft das für die Beliebtheit beim Volke zu. Mehr als die Hälfte aller Deutschen könnte sich den Mann als Bundeskanzler vorstellen. Das ist in Krisenzeiten wie diesen mehr als erstaunlich.</p>
<p>Bei all dem politischen Schneckentanz wird nur leider eines mehr und mehr vergessen. Dabei wäre es so wichtig, darüber zu sprechen. Eigentlich – und das muss klar und unmissverständlich verdeutlicht werden – wäre es Aufgabe einer Regierungschefin, die „richtigen“ Fragen zu stellen, geschweige denn zu diese zu beantworten. Welche Ziele müssen in Afghanistan fortan wie verfolgt werden? Ist es in einem solchen Land, in dem zweifellos kriegerische Zustände herrschen, überhaupt möglich Opfer – ganz gleich welcher Couleur – zu vermeiden? Befinden sich die deutschen Truppen in Wirklichkeit nicht längst im Krieg? Ist es überhaupt noch zu vermeiden, dass sich die Bundeswehr stets aus aktiven Angriffen gegen Aufständische heraushält? Diese Fragen bleiben ungestellt. Der Einzige, der wirklich etwas bewegen will, ist Guttenberg, aber er muss sich stattdessen rechtfertigen und verteidigen für etwas, was er gar nicht zu verantworten hat. Die Einzige, die noch im Amt ist und die stets dem eigentlich Verantwortlichen „den Rücken stärkte“ ist Frau Merkel. Es ist schon sehr ruhig zurzeit … und das liegt nicht nur am bevorstehenden Weihnachtsfest.</p>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-160-1'><a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/merkel-zu-afghanistan-aufklaerung-versprochen-kritik-geruegt_aid_433734.html" target="_blank">FOCUS Online: &#8220;Aufklärung versprochen, Kritik gerügt&#8221;</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-160-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-160-2'><a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Franz-Josef-Jung-Kundus-Guttenberg-Bundeswehr;art122,2961055" target="_blank">Der Tagesspiegel: &#8220;Merkel vertraut Jung &#8216;unverändert&#8217;&#8221;</a> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-160-2'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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