Die Volkesnähe der Hamburger CDU

Jun 28

Ungeachtet meiner persönlichen Überzeugung, wer von den drei Bundespräsidentschaftskandidaten der oder die richtige ist, scheint mir vor allem eines wichtig: Die Wahl muss “frei” sein! “Frei” im Sinne von “ohne jedweden Koalitionszwang”. Das neue Staatsoberhaupt sollte gewählt werden, weil es das Amt am besten ausfüllt und nicht, weil eine momentane, politische Gemengelage dies so verlangt. Aus diesem Grund habe ich heute diese Mail unter anderem auch an Herrn Kai Voet van Vormizeele von der Hamburger CDU versandt. Ich staunte nicht schlecht, als ich postwendend folgende, offensichtlich automatisch generierte Antworte bekam:

Leider sind zur Zeit einige “Fans” bestimmter Kandidaten für das Bundespräsidentenamt der Auffasssung, mit Massen-Mails die Mitglieder der Bundesversammlung in Ihrer Entscheidung beeinflussen zu können. Aus diesem Grunde ist dieser Mailaccount zur Zeit nicht mehr abrufbar.
Sollten Sie zu den Absendern dieser Massenmails gehören, bedaure ich Ihnen mitteilen zu müssen, dass mich der Versand von Massenmails nicht überzeugt, dass Sie individuelle Gründe haben, die Sie mir mitteilen wollen. Wer nicht in der Lage ist, seine eigene Meinung in einem eigenen Text zu formulieren, erweckt bei mir nicht den Eindruck, dass hinreichend plausible Argumente vorliegen.

Mit freundlichem Gruß

Kai Voet van Vormizeele, MdHB

Ebenso schnell erfolgte meine Antwort darauf via Kontaktformular auf seiner Webseite:

Sehr geehrter Herr van Vormizeele,

ich hoffe, Sie auf diesem Weg erreichen zu können. Ihre oben genannte E-Mail-Adresse scheint gesperrt worden zu sein, weil Sie sich von “Massenmails” belästigt fühlen. Abgesehen davon, dass ich es als sehr erstaunlich empfinde, wie ein Volksvertreter die Augen vor politischen Bewegungen in der Bevölkerung verschließt, ist es bedauerlich, dass man Sie nun offenbar auch dann nicht mehr erreichen kann, wenn man (wie ich) genau das verfasst hat, was Sie fordern: Einen selbst formulierten Text. Ich werde meine ebenfalls eigens formulierten Ansichten zu diesem Thema auch in meinem gut besuchten Blog kundtun, damit sich die Menschen ein Bild davon machen können, wie bürgernah einzelne Mitglieder der Bundesversammlung zu sein scheinen.

Hier nun aber meine ursprüngliche Nachricht: (…)

Es ist kein gutes Zeichen, dass sich (hoffentlich nur einzelne) Delegierte durch bloße Ignoranz weiter vom Volk entfernen. Das lässt den Verdacht aufkommen, dass stoisch eine vorgefertigte, fraktionsbedingte Meinung vertreten wird. Eine solche Haltung verhindert jede Chance von außen neue Anregungen zu erhalten, die vielleicht sogar die eigene Meinung umstimmen oder zumindest neu beleuchten könnten. Die Blockade der direkten Kontaktaufnahme zu einem Politiker sendet das fatale Signal aus: “Ich weiß, was gut für Euch ist! Ich brauche Eure Meinung nicht!” Es scheint symptomatisch für die gesamte CDU zu sein, die Augen vor Tatsachen zu verschließen und weiterzumachen, als hätte man Scheuklappen aufgezogen. Anders lässt sich auch das jüngst verabschiedete Sparpaket nicht erklären.

Bleibt zu hoffen, dass Herr van Vormizeele ein trauriger Einzelfall ist und letztlich die Bundespräsidentenwahl wirklich frei, ausgewogen und weltoffen stattfindet. Ansonsten wird sich die politische Klasse immer weiter vom Souverän unseres Staates, dem “kleinen Bürger” entfernen.

2 Kommentare

  1. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht warum Sie sich so aufregen. Die Volksvertreter wurden demokratisch gewählt und befolgen die Doktrin der Fraktion. Und das ein Volksvertreter nicht auf die Bürger hören muss ist auch klar, ansonsten gäbe es doch Möglichkeiten, dass der Souverän die Volksvertreter absetzen könnte.

  2. Dauernörgler /

    @grummel_monster:
    Ihr Demokratieverständnis sieht also vor, dass die Wähler lediglich die Politiker auswählen, die dann blind ihrer Fraktion folgen? Wenn das so ist, könnte man die lästigen Wahlen doch vollends abschaffen und die Parteien selbst ihre Abnicker festlegen lassen. Gut, der Begriff “Volksvertreter” muss dann auch überdacht werden, denn wenn man die Bürgerinnen und Bürger fragt, fühlen sie sich von derart ignoranten Politikern eben NICHT vertreten.
    So wirr wie Ihr Demokratieverständnis ist auch Ihre Verquickung von Fraktionszwängen und Bundespräsidentenwahl. Bei der Wahl eines überparteilichen Staatsoberhauptes kann und DARF die Parteipolitik oder Fraktionszugehörigkeit keinerlei Rolle spielen. Allein schon durch die Nominierung Wulffs durch Frau Merkel wird gegen diesen Grundsatz verstoßen. Das ist ein ungeheuerlicher Vorgang, der mich sehr wohl aufregt. Es mag sein, dass Sie das nicht verstehen, aber Sie verstehen auch nicht, was Demokratie bedeutet, denn sonst wüssten Sie, dass der Souverän in der Tat “seine” Volksvertreter absetzen kann.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Der Dauernörgler » Die CSU und das lästige Fußvolk - [...] hier). Die Antworten waren und sind informativ, belehrend, ignorant, entgegenkommend… Über eine davon wurde auch schon berichtet. In Kürze ...

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>